Sonntag, 24. April 2016

[Rezension] Der Tod vergisst nie - Andreas Hultberg

http://www.divan-verlag.de/buch/der-tod-vergisst-nie.html


# von außen #

Das Cover besticht durch „anders sein“. Die meisten Krimis / Thriller sind eher in weiß und schwarz gehalten, rot wird als Highlight gerne eingebaut. Hier fällt das blau / grünliche Cover positiv auf. Und wie ich es mag: schlicht, nicht übertrieben.
Aber auch hier verrät der Klappentext mal wieder zu viel (ich bin da zwar sehr wenig kritisch, aber ich möchte überrascht werden!), deshalb Achtung, übelster Spoileralarm:

Dr. Olaf Bock, Mitinhaber des renommierten Architekturbüros Bock & Partner, wird erschossen in seinem Büro in der Erfurter City aufgefunden. Ein Racheakt? Schnell wird deutlich, dass sich Bock durch seine skrupellosen Geschäftspraktiken zahlreiche Feinde gemacht hatte.
Ins Visier der Ermittler gerät vor allem der Immobilienmakler Udo Greiling, der von Bock um Millionenbeträge geprellt und in den Ruin getrieben wurde. Da die Geschäftsanteile des Architekturbüros zu gleichen Teilen an Bocks geschiedene Frau und den verbliebenen Gesellschafter fallen, kann auch ein Mord aus Habgier nicht ausgeschlossen werden.
Trotz intensiver Ermittlungsarbeit kommen die Kollegen der Mordkommission Erfurt dem Täter nicht auf die Spur, bis in Bad Sulza ein Mann mit derselben Tatwaffe erschossen wird. Der Ermordete war ebenfalls in der Baubranche tätig. Und er war Verdächtiger in einem Kinderpornographie-Prozess, in den auch ein Beamter aus höchsten Regierungskreisen Thüringens verwickelt ist. . .

# von innen #

# erster Satz #
Die Autofähre tuckerte mit einem monotonen Motorenbrummen über den Tejo.

Der typische Montagmorgen Arbeitsalltag wurde für Angelika Schröder abrupt unterbrochen, als sie die Leichen ihres Chefs Dr. Bock sowie die Leichen zwei ihrer Kolleginnen entdeckt. Wer kann hinter diesem grausamen, aber durch geplanten, Morden stecken? Die akkurat gesetzten Schüsse lassen auf eine regelrechte Hinrichtung schließen. Für Oberkommissar Christoph Zeller und seine Vorgesetzte Lina Bredow beginnt die Ermittlung mitten im malerischen Erfurt. Denn, obwohl Dr. Bock ein angesehener Bürger dieser alt ehrwürdigen Stadt ist, hat er sich in den Jahren seiner Tätigkeit als Architekt viele Feinde gemacht.
Die Ermittler stoßen auf zahlreiche Menschen, die durch Olaf Bock schweren existentiellen Schaden erlitten haben. Die Liste der Verdächtigen wird täglich länger, aber reicht dieser Hass zu einem Mord an gleich drei Menschen?

# Zitat #
Ich habe eine Rechnung zu begleichen, und genau das werde ich tun – Auge um Auge, Zahn um Zahn, Kopf um Kopf.

In diesem Krimidebüt von Andreas Hultberg entführt er den Leser in die historische Altstadt der Stadt Erfurt. Auch wenn ich die Stadt selbst nicht kenne, habe ich jetzt ein gutes Bild vor Augen. Seine Liebe zum Detail erkannte ich allerdings schon auf den ersten Seiten: Die Charaktere werden äußerlich akribisch beschrieben. Diese Detailverliebtheit zieht sich danach auch durchgehend bei neu auftretenden Charakteren weiter durch den Krimi. Eine Eigenart, die ich allerdings kritisieren muss. Es war einfach zu viel. Ich mag es ein Gefühl für meine Charaktere zu haben, muss aber nicht bei jeder nebensächlichen Person Größe, Gewicht und Konfektionsgröße wissen. Diese unnötigen Feinheiten störten den Lesefluss.
Nachdem aber irgendwann alle Charaktere ihren Lebenslauf abgeliefert haben, kam auch bei mir die Spannung an. Es wird ausführlich ermittelt und doch gelangt man immer an einem Punkt (gemeinsam mit dem ungleichen Ermittlerduo ^^) und irgendetwas passt nicht mehr ins Bild. Die Suche startet also wieder von vorn. Die Spannung blieb aber nicht auf der Strecke – es passiert genug um den Leser die gesamten 378 Seiten gut zu unterhalten. Zusätzlich bieten die Kommissare gemeinsam genug Nebengeschichten. Ich fand den unsympathischen Christoph Zeller besonders interessant. Getrieben von einer guten Spürnase und einem ständigen Druck sich zu beweisen, weil ihm eine Frau als Chefin vorgesetzt wurde, gibt er immer wieder Grund ihn zu respektieren oder zu hassen. Seine Chefin Lina Bredow blieb neben ihm ein wenig blass und konnte mich kaum überzeugen.
Alles in allem, war es ein solider Krimi. Die Länge passte, es machte Spaß mit den Kommissaren von A nach B zu C zu hetzen und doch immer wieder bei A zu stranden. Das erwarte ich von einem guten Krimi. Abzug für die, anfangs erwähnten, zu detaillierten Charakterbeschreibungen, die haben mich zu sehr gestört.

 
(Quelle: Klappentext, Cover: www.divan-verlag.de)

1 Kommentar:

  1. Hi Eva,

    das Cover ist wirklich mal was anders bei einem Krimi. Die Geschichte klingt eigentlich interessant, aber mich schreckt, die zu große Detailverliebtheit ab. Daher werde ich das Buch wohl eher nicht lesen. Aber danke für deine Rezi.

    Liebe Grüße an euch und drück dich
    Uwe

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