Mittwoch, 11. Januar 2017

[Rezension] Es war einmal Aleppo - Jennifer Benkau

http://www.amrun-verlag.de/produkt/es-war-einmal-aleppo/


# von außen #

Klappentext:
Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Antonia kommt mit ihrer Familie aus dem Urlaub, und plötzlich leben mehrere hundert Flüchtlinge nebenan.
Klar – irgendwo müssen sie unterkommen. Aber ausgerechnet hier?
Doch dann trifft Toni auf Shirvan. Und mit jeder skeptischen Frage, die sie ihm stellt, wird die Sache verzwickter.

# von innen #

# erster Satz #
Wir sind uns einig, dass wir all das nicht sehen wollen, und starren gegen Sichtschutzplanen, die uns dreist jeden Blick verwehren.

Der Schock sitzt tief. Nach dem handyfreien Sommerurlaub kommt Toni mit ihrer Familie wieder in Deutschland an und direkt vor ihrem Haus, in einem leer stehenden Tennisclub, ist eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge installiert worden. Flüchtlinge, hier? Ja, von der „Flüchtlingswelle“ hatte auch Toni schon gehört, aber muss es nun, hier, direkt vor ihrer Tür sein? Sie ist nicht rechts, bestimmt nicht, aber direkt vor der Nase muss es ja auch nicht sein. Das sieht auch der Rest ihrer Familie so.
Fee, Tonis beste Freundin, hat eine völlig andere Einstellung. Direkt am nächsten Tag nimmt sie Toni mit zum Heim. Für die vielen Gestrandeten gibt es nicht einmal genug Essen und Fee möchte das gespendete Obst ihrer Familie verteilen. Nun ist Toni nicht nur vor dem Heim, sondern mittendrin. Um vor ihrer engagierten Freundin nicht doof da zustehen, hilft auch Toni - widerwillig und ein wenig ängstlich. Toni wird von der unfassbaren Dankbarkeit der Flüchtlinge schier überwältigt und beginnt sich mit den Bewohnern zu unterhalten. Viele Schicksale stürzen auf sie ein, aber ein Bewohner berührt sie besonders. Shirvan.

# Zitat #
Nun bin ich plötzlich mittendrin, ob ich das will oder nicht. Flüchtlingskrise. Das Wort steht da draußen vor der Tür, direkt vor meinem Fenster.

Lieblingsbuch. Muss ich mehr sagen?

Seit einigen Tagen oder nun mittlerweile schon Wochen grübele ich über diese Rezension. Wie soll ich die Gedanken, die Gefühle in Worte packen? Wie kann ich dieses Buch so vorstellen, dass es seiner würdig ist? Und wie genau soll ich es schaffen, dass ihr alle danach sagt: „ja, genau dieses Buch muss ich lesen!“? Ich weiß es noch immer nicht. Ich weiß nur, dass mich dieses Buch im tiefsten Herzen berührt hat und dort nun einen großen Platz für sich beansprucht.
Es lag nicht an einer herzzerreißenden Liebesgeschichte, nein, es lag an der Wahrheit, die in diesem Buch wohnt. Es ist keine wahre Begebenheit, aber ich kann mir vorstellen, dass es sich so irgendwo in Deutschland im August 2015 zugetragen hat. Die vielen, besorgten Gespräche der Familie wurden irgendwo in der Nähe eines Flüchtlingsheims ebenfalls so geführt und an einer anderen Stelle wurde jemand von der puren Not der Flüchtlinge überrollt. Jemand kämpfte für die Gestrandeten und ein Anderer bekämpfte die Vorurteile.
Jennifer Benkau fand die richtigen Worte um das auszudrücken, was sie im Sommer 2015 so schmerzhaft beschäftigte und ich danke ihr von Herzen für diesen Roman. Danke, liebe Jennifer. Es war mein Jahreshighlight. Und deshalb steht der Roman nun bei meinen Lieblingsbüchern und wird dort bleiben. Ich empfehle diesen Roman jedem. Ob jung, ob alt. Lasst euch von Jennifer Benkau und ihrem Werk überzeugen und berühren.



(Quelle: Klappentext, Cover: www.amrun-verlag.de)

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