Donnerstag, 27. April 2017

[Rezension] Tote Götter - Faye Hell




# von außen #

Klappentext:
HANNAH ist unheilbar krank. Nach einer Amerikareise wird sie zusätzlich zu ihren körperlichen Symptomen von grauenhaften Visionen geplagt. Teuflische Kreaturen bevölkern ihre düstere Albtraumwelt und sogar die Menschen in ihrem Umfeld verändern sich. Mutieren auf geheimnisvolle Weise. Verfolgen Hannah.
Mit Hilfe der richten Therapie hofft die junge Frau die paranoiden Wahnvorstellungen in den Griff zu bekommen. Sie will die schönen Jahre, die ihr noch bleiben, gemeinsam mit ihrer großen Liebe Lukas erleben und nicht im erschreckenden Paralleluniversum ihres defekten Geistes gefangen sein.
Aber was geschieht, wenn der blanke Horror kein Irrsinn ist, sondern die neue Wirklichkeit? Und die reale Welt von gestern nur noch eine vergängliche Erinnerung? Wasserfarben auf der spiegelglatten Oberfläche eines Sees.
Hat gar Hannah selbst das unsagbar Böse wiedererweckt? Kann sie die Alten Götter aufhalten? Oder sind es doch ihre eigenen Dämonen, die sie bekämpfen muss?

# von innen #

# erster Satz #
Das Diner ist mehr als verlassen.

Es ist sicher kein Geheimnis mehr (spätestens nach dem Erhalt des Deutschen Phantastik Preises für ihr Debüt „Keine Menschenseele“ (meine Meinung gibt es hier!)), dass die Autorin „Faye Hell“ fantastisch, blutige Horrorwelten auferstehen lässt.
Ich fieberte der Veröffentlichung ihres zweiten Werkes „Tote Götter“ entgegen. Das grandiose Cover (ein weiteres Meisterwerk von Mark Freier) machte neugierig und ließ doch noch genug Spielraum für eigene Gedanken. Pünktlich zur LBM2017 war es dann soweit und natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, ein signiertes Exemplar mitzunehmen.

Eine nicht unerhebliche Frage: Worum geht es eigentlich?
Hannah ist schwerkrank. Die Krankheit wird im Verlauf weite Teile ihrer Nerven zerstören und Hannah hat Angst vor den kommenden Jahren und dem Fortschreiten der Krankheit. Deshalb möchte Sie die letzten Jahre ihres Lebens noch gemeinsam und mit viel Freude mit ihrem geliebten Partner Lukas verbringen.
Auf der gemeinsamen Reise nach Amerika erlebt Hannah ES das erste Mal. Wie kann man es beschreiben? Eine Vision? Ein Verschieben der Realitäten? Die Welt in der sich Hannah befindet ist so anders, Menschen verwandeln sich zu Monstern und die bekannte Welt ist zerstört. Ein apokalyptischer Albtraum! Ein Traum, das muss es sein, denn Hannah wacht aus diesem Schreckensszenario nach einiger Zeit auf. Aber war es wirklich nur ein Traum oder greift diese grausame Krankheit nun schon ihr Gehirn an? Ist ihr nicht einmal vergönnt die letzten Jahre bei wachem Verstand zu erleben?
Als sich die Ausfälle häufen, kann sie es auch nicht mehr vor Lukas geheim halten. Zurück in Österreich soll sich Hannah in neurologische Betreuung begeben. Ist sie wirklich nur krank oder passiert etwas im Verborgenen mit unserer Welt? Können die Ärzte Hannah mit ihren eigenen Dämonen, die immer mehr ihr Leben bestimmen, helfen?

# Zitat #
Ich bin ein gierig lebender Organismus inmitten dieser allgegenwärtigen Vergänglichkeit, dieser vollkommenen Vergangenheit. Und ich will mehr.


Wer zu „Tote Götter“ von „Faye Hell“ greifen möchte, sollte einige Dinge beachten:

Sprachgewaltig!
Faye Hell spielt mit Worten, wie keine Andere. Ich habe so etwas zuvor noch nie gelesen! Mit einem Satz entstehen ganze Geschichten im Kopf! Ein Beispiel: „...alte, alleingelassene, kranke Menschen saßen in ihren mit Dingen überfüllten, aber dennoch leeren Wohnzimmern..“ (S. 280)
Wer sich also zutraut in diesen Tanz der Worte einzusteigen, darf sich auf komplexe Wortsymphonien freuen!

Persönlich!
Hannah ist nicht nur ein Charakter. Der Beginn von „Tote Götter“ ist unspektakulär und leise. Man lernt Hannah kennen, erlebt schöne Momente im Urlaub mit Lukas. Die Bindung zu Hannah ist schon nach kurzer Zeit sehr fest. So durchlebt man ihre Ängste viel intensiver, es ist fast als würde es einer guten Freundin passieren und man kann nur tatenlos zuschauen…

Unheimlich!
Jeder Augenblick dieses Buches wird stimmungsvoll in Szene gesetzt. Ein ungutes Gefühl entsteht im Bauch, im Nacken. Man fühlt sich nicht mehr sicher. Lesen am Abend wird nicht empfohlen! All das können Worte auslösen und Faye Hell schafft eine gruselige Atmosphäre ohne den Leser durch Gedärme waten zu lassen!

Vielschichtig!
In „Tote Götter“ werden viele Themen aufgegriffen. Schnell fielen mir die vielen Verweise auf verschiedene Glaubensrichtungen auf. „Blut von meinem Blute, Fleisch von meinem Fleische“ ging mir oft durch den Kopf. Viele Namen, z.B. Gabriel, scheinen nicht nur zufällig gewählt zu sein und immer wieder finden sich Bezüge zum Christentum. Weitere Themen möchte ich nun nicht preisgeben, SPOILER!

Besonders!
Besondere Bücher erfordern besondere Worte. Wie man zweifellos herausgelesen hat, habe ich mit „Tote Götter“ ein weiteres Lieblingsbuch gefunden. Die Lesezeit war wieder etwas ganz besonderes für mich. Ja, ich habe länger als üblich für das Buch gebraucht, aber dieser Roman – wie auch schon „Keine Menschenseele“ – verlangt die ganze Aufmerksamkeit seines Lesers und muss diese auch bekommen. „Tote Götter“ beschenkt den Leser im Gegenzug mit intensiven Stunden am Rande des ganz persönlichen Abgrundes mit einem Ende, welches mich noch immer sprachlos macht.

Und eine ungewöhnliche Rezension, erfordert auch einen besonderen Abschluss! Ich höre gerne Musik und wenige Tage nachdem ich „Tote Götter“ beendet hatte, stolperte ich mitten im Putzwahn über diesen alten Hit (ok! Szenehit ^^) und meine Gedanken waren direkt wieder bei dem Buch. Also ein Liedchen zum Abschluss und meine Toxic-Kitty für ein neues Lieblingsbuch!


(Quelle: Klappentext, Cover: www.amrun-verlag.de)

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